Weser, Beverungen. Foto UIH Ingenieur- und Planungsbüro / Schackers

Weservertiefung verhindern

Die Wesermündung zählte einst zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt. Heute ist der Fluss über große Strecken in ein Korsett aus Steinschüttungen gezwungen, damit sie von großen Schiffen befahren werden kann. Seit Jahren warnen wir vor den ökologischen Folgen weiterer Flussvertiefungen. Befürworter betonen dagegen immer die wachsenden Schiffsgrößen und nicht ausreichende Wassertiefen. Der BUND setzt auf Alternativen zur Flussvertiefung: auf eine naturverträgliche Entwicklung der Weserregion und eine Kooperation der norddeutschen Seehäfen.

Unterweser bei der Strohhauser Plate. Foto: BUND / Bernd Quellmalz Unterweser bei der Strohhauser Plate  (BUND / Bernd Quellmalz)

Die Weser mündet bei Bremerhaven in die Nordsee. Flussmündungen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt. Sie umfassen den Abschnitt des Flusses, wo Ebbe und Flut einwirken und sich das Süßwasser mit dem salzigen Meerwasser zu Brackwasser mischt. Breite Röhrichtgürtel und Wattflächen säumen dort den Flusslauf, der sich in zahlreiche Nebenarme aufspaltet, Inseln und ausgedehnte Überschwemmungsgebiete bildet und schließlich in einem breiten Trichter ins Meer mündet.

Weservertiefung und ihre Folgen

Seit dem Jahr 1880 und mit Beginn der immer neuen Flussvertiefungen für immer größere Seeschiffe hat sich das Bild der Unterweser stark verändert. Flussvertiefungen sind mit massiven ökologischen Folgeschäden verbunden. Ganz besonders gravierend: Der Tidenhub ist extrem angestiegen, in Bremen an der großen Weserbrücke von ehemals ca. 50 cm auf heute 4,20 m, Tendenz weiter steigend. Die Weser ist daher heute über große Strecken in ein Korsett aus Steinschüttungen gezwungen worden. Riesige Hafenanlagen zur Bewältigung der globalisierten Warenströme sind entstanden. Flussfischerei lohnt sich dagegen nicht mehr, Flussbadestellen sind nahezu alle verschwunden.

Trotz der Flussvertiefungen, Einleitungen, Kühlwasserentnahmen und Hafenbauten bietet die Unterweser aber immer noch Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten, z.B. die Finte, ein heringsartiger Fisch, der seinen ganzen Lebenszyklus in der Flussmündung verbringt.

Neben dem starken Anstieg des Tidenhubs führen Flussvertiefungen zu stark steigenden Strömungsgeschwindigkeiten in der Fahrrinne, immer kürzeren Laufzeiten der Sturmfluten von der Nordsee bis nach Bremen, Verschlickung von Nebenarmen, Stränden und Bootshäfen sowie einer flussaufwärts gerichteten Verschiebung der salzigen Brackwasserzone. Leidtragende dieser Verschlechterungen sind Deichschutz, Landwirtschaft, Fischerei, Freizeitnutzung und vor allem die natürlichen Lebensräume mit ihren charakteristischen Tieren und Pflanzen.

Kein Bedarf für weitere Weservertiefung

Unterweser mit einem Schiff vor der Strohhauser Plate. Foto: BUND / Bernd Quellmalz Unterweser mit Schiff bei der Strohhauser Plate.  (BUND / Bernd Quellmalz)

Aber warum das Ganze? Die Vertiefung der Unterweser zum Hafen Brake verfolgt den Zweck, dass Massengutfrachter etwas mehr beladen als bislang ihre Fracht zum größten Futtermittelimporthafen Europas bringen;Die Vertiefung der Außenweser soll dagegen das Bremerhavener Containerterminal für große Seeschiffe leichter erreichbar machen, obwohl selbst die weltgrößten Containerschiffe bereits heute regelmäßig Bremerhaven anlaufen.

WWF und BUND haben über das ganze Jahr 2023 reale Tiefgangsdaten von Großcontainerschiffen zusammengetragen, die den Containerterminal Bremerhaven anlaufen. Gleiches für Seeschiffe zum Hafen Brake. Die Ergebnisse zeigen: Der mit Abstand größte Teil der Schiffe nutzt die möglichen Tiefgänge bei weitem nicht aus. Alle 475 Großcontainerschiffe am Containerterminal Bremerhaven hatten einlaufend noch eine Tiefgangsreserve von mindestens einem Meter, auslaufend von 60 cm oder mehr. Von 879 Seeschiffen, die den Hafen Brake anliefen, schöpften nur 10 den möglichen Tiefgang aus, auslaufend keines. Solche Zahlen begründen nach Auffassung von WWF und BUND keine weitere Flussvertiefung.

Zur Geschichte der BUND-Klage

Gegen die seit 2006 geplante Weservertiefung (Außenweser > 1,20 Meter, Unterweser bis Brake 0,90 Meter und bis Bremen 0,60 Meter) hat der BUND 2011 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geklagt. Im September 2016 erklärte das Gericht den Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig.

Nach dem Stopp überarbeiten der Bund und Bremen ihre Planung von Grund auf neu. Mit dem Festhalten an der Wesertiefung setzen die Planer leider weiter auf eine weder zukunftsfähige noch nachhaltige Verkehrspolitik.

Dabei stellen Klimawandel und Meeresspiegelanstieg die Wesermündung und ihre Bewohner vor neue Herausforderungen. Der Widerstand gegen Flussvertiefungen wächst zusehends und damit auch der Druck zur Zusammenarbeit der deutschen Seehäfen mit dem Ziel Umweltschäden zu vermeiden.

Weitere Einflüsse auf den Lebensraum Weser

Neben der Weservertiefung wird der Lebensraum Weser auch durch die Einleitung salzhaltiger Abwässer aus dem Kalibergbau gefährdet. Mehr hierzu erfahren Sie unter Gefahr durch Kaliabbau.

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