Susanne Gerstner
Landesvorsitzende
(Foto: Kai Horstmann)
Renaturiertes Moor in der Nähe von Diepholz.
Deutschland wurde von der EU zur Wiederherstellung von Mooren, Auen, Wäldern und Meeren verpflichtet. Auch in Niedersachsen gibt es großen Handlungsbedarf - und die Chance auf echte Fortschritte.
BUNDmagazin - Niedersachseneinleger zum Download (PDF-Format)
Zehntausende Menschen haben am 18. April bundesweit demonstriert – für einen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren und gegen die verfehlte Energie- und Klimapolitik von Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU). Ein starkes Signal, das Mut macht. Es zeigt: Der Widerstand gegen diese rückwärtsgewandte Politik wächst.
Am 30. Mai protestieren wir weiter: Als Bündnis gehen wir in Hamm erneut auf die Straße. Für eine entschlossene Energiewende und für eine Politik, die Verantwortung für die Zukunft übernimmt. Denn erneuerbare Energien aus Sonne und Wind stehen nicht nur für Klimaschutz, sondern auch für Sicherheit, Stabilität und Unabhängigkeit – in Zeiten von Krieg und globalen Krisen sind sie wichtiger denn je.
Niedersachsen spielt dabei eine Schlüsselrolle – und hat viel zu verlieren. Als Vorreiter beim Ausbau der Erneuerbaren und mit ehrgeizigen Zielen für Klimaneutralität und Wärmewende steht das Land unter Druck durch neue fossile Projekte. LNG-Terminals für den Import von umweltschädlichem Frackinggas und die geplante Gasförderung in der Nordsee bedrohen Küste und Wattenmeer. Auch an Land wird die Suche nach Erdgas ausgeweitet und sogar Fracking wieder diskutiert. All das zeigt: Die fossile Lobby will an gefährlichen, alten Abhängigkeiten festhalten und die Energiewende ausbremsen.
Umso wichtiger ist jetzt unser Engagement. Gehen wir gemeinsam auf die Straße – für eine zukunftsfähige Klima- und Energiepolitik!
Susanne Gerstner
Landesvorsitzende
(Foto: Kai Horstmann)
In Niedersachsen sind 88 % der heimischen Lebensräume gefährdet oder bereits verschwunden. Fast die Hälfte aller Brutvogelarten, mindestens ein Drittel aller Säugetiere und viele Insektenarten stehen auf der Roten Liste. Trotzdem werden täglich Lebensräume durch Straßen- und Bauprojekte zerstört oder zerschnitten und Böden versiegelt.
Durch verbindliche Ziele und Zeitvorgaben soll die EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO) nun eine Trendumkehr im Artensterben bewirken. Bis 2030 sollen Maßnahmen auf 20 % der Landes- und Meeresflächen beginnen, bis 2050 soll ein Großteil der Ziele erreicht sein.
Besonders groß ist der Handlungsbedarf bei Flüssen und Auen. In Niedersachsen sind 97 % der Gewässer in keinem guten ökologischen Zustand. Die WVO fordert ein Mindestmaß an frei fließenden Flüssen mit intakten Flussauen, damit Fische und andere Wasserlebewesen wandern und sich ungehindert ausbreiten können. Niedersachsen hat sich bereits dazu verpflichtet, auf 15 % der Landesfläche einen landesweiten Biotopverbund zu entwickeln – auch entlang von Flüssen, Auen und Bächen als grün-blaue Landschaftskorridore. Dies zahlt auf die Ziele der WVO ein.
Auch die schrittweise Wiedervernässung von Mooren wird durch die EU-Verordnung vorgeschrieben. Bis 2030 soll ein Drittel, bis 2050 die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten und entwässerten Moorböden wiederhergestellt werden. Niedersachen als moorreichstes Bundesland trägt eine besondere Verantwortung. Hierzulande ist ein Großteil der Moore durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft und Torfabbau massiv geschädigt. In diesem Zustand setzen Moore enorme Mengen an CO2 frei. Gelingt es, diese Moore in größerem Umfang wiederzuvernässen, kann ein bedeutender Beitrag zur Linderung der Klimakrise geleistet werden. Daher hat sich die Landesregierung im niedersächsischen Klimagesetz selbst verpflichtet, die Treibhausgasemissionen aus kohlenstoffreichen Böden bis 2030 jährlich um 1,65 Millionen Tonnen im Vergleich zu 2020 zu reduzieren.
Die EU-Verordnung fordert auch, landwirtschaftliche Flächen ökologisch aufzuwerten. Entscheidend dafür: artenreiches Grünland, gesunde Böden und vielfältige Landschaftsstrukturen wie Hecken und mehrjährige Blühstreifen. Laut FFH-Bericht 2025 befindet sich in Niedersachsen kein Grünland-Lebensraumtyp in einem günstigen Zustand – der Handlungsbedarf ist also entsprechend hoch. Die Umsetzung der WVO liegt maßgeblich bei den Bundesländern – und Niedersachsen bringt gute Voraussetzungen mit. Die Vereinbarungen zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Politik im „Niedersächsischen Weg“ sehen bereits konkrete Maßnahmen vor. Jedoch braucht es deutlich mehr Maßnahmen in der Fläche, um eine Trendumkehr für den Natur- und Artenschutz zu erreichen. Mit seinen Projekten trägt der BUND dazu bei: von Wanderkorridoren für die Wildkatze über die Wiedervernässung von Mooren bis hin zur Renaturierung von Flusslandschaften wie an der Elbe. Aber auch die Arbeit in den Ökologischen Stationen und Kooperationen vor Ort zeigen, wie praxistaugliche und regionalspezifische Lösungen entwickelt werden können.
Die europäischen Pläne bieten gute Chancen, natürliche Lebensräume und Bestände wildlebender Arten zu sichern und zu schützen. Diese gilt es zu nutzen.
Dr. Pia He
Naturschutzreferentin BUND Niedersachsen
Für erfolgreichen Naturschutz vor Ort braucht es verlässliche Finanzmittel. Die Wiedervernässung von Mooren und die Renaturierung von Flüssen und ihren Auen sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Landwirtschaftliche Betriebe müssen beim Umstieg auf klima- und naturschonende Bewirtschaftungsweisen (z.B. Paludikultur auf wiedervernässten Mooren) sowie beim Aufbau neuer Wertschöpfungsketten unterstützt werden. Entscheidend ist auch eine entsprechende Ausrichtung der EU-Agrarförderung, damit sich naturverträgliches Wirtschaften lohnt.
Erfolgreiche Umsetzung gelingt nur gemeinsam. Frühzeitige Beteiligung aller Akteure, transparente Prozesse und gemeinsam entwickelte Lösungen erhöhen Akzeptanz und Wirksamkeit. Der "Niedersächsische Weg" zeigt, dass dieser Ansatz funktioniert.
Bestehende Schutzgebiete wie Natura 2000-Gebiete sind zentrale Kernflächen für einen wirksamen Biotopverbund. Sie reichen allein aber nicht aus, um das ungebremste Artensterben zu stoppen. Es braucht zusätzliche Flächen für eine naturschutzangepasste Bewirtschaftung und für die Renaturierung von Mooren, Flüssen und Wäldern. Dafür müssen Maßnahmen der Flurneuordnung wie Flächentausch, Flächenkauf und langfristige Verträge mit Bewirtschafter*innen gestärkt werden.
Blick von weit oben auf den Protest gegen die A20.
(Fabian Beese)
Der BUND Niedersachsen hat Klage gegen den sechsten Abschnitt der geplanten Küstenautobahn A20 beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Der BUND kritisiert unter anderem Fehler bei der Artenschutzprüfung und die unzureichende Berücksichtigung des Habitatschutzes.
Insbesondere Moor- und Gewässerökosysteme wären von dem Bau der Autobahn betroffen, die als natürliche Kohlenstoffsenken eine wesentliche Rolle für den Klimaschutz spielen. Der Bau würde tausende Tonnen zusätzliches CO2 freisetzen und unzerschnittene Naturräume zerstören. In Zeiten einer immer sichtbarer werdenden Klimakrise ist das nicht akzeptabel. Der BUND verweist auf bereits vorgelegte Alternativen im Bestandsausbau, mit deutlich weniger Flächen- und Ressourcenverbrauch.
Am 17. April hat der neu gegründete Klimarat in Niedersachsen seine Arbeit aufgenommen. Das 15-köpfige Gremium aus Wissenschaft und Verbänden soll die Landesregierung künftig bei wirksamen Klimaschutzmaßnahmen beraten, ergänzt durch einen Bürger*innenrat mit zufällig ausgewählten Teilnehmenden. Auch die Vorsitzende des BUND Niedersachsen, Susanne Gerstner, gehört dem Klimarat an.
Der BUND Niedersachsen kritisiert die Ankündigung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die Rückholung des Atommülls aus der Asse auf unbestimmte Zeit zu verschieben, scharf.
Der Verband fordert einen transparenten und verbindlichen Zeitplan und erinnert an den gesetzlichen Auftrag, die Bergung der rund 126.000 Fässer zügig umzusetzen. Angesichts der instabilen Lage des Bergwerks warnt der BUND vor Risiken für Mensch und Umwelt sowie weiterem Vertrauensverlust durch diese Verzögerung. Die Überlegungen der BGE zu möglichen Konsequenzen eines Scheiterns der Rückholung wertet der BUND als alarmierendes Signal.
(Heiko Köster)
Suchst du noch nach Ideen, was du diesen Sommer unternehmen kannst? Dann schau dir doch mal unsere Sommeraktivitäten
für 2026 an!
Mit uns kannst du Natur erleben, Neues lernen, dich ausprobieren und einfach eine schöne Zeit verbringen. Eingeladen sind alle jungen Menschen – egal, ob Mitglied oder nicht. Komm dazu und bring deine Freund*innen mit!
Weitere Infos:
www.bundjugend-niedersachsen.de
Eine alte Terrazzo-Treppe führt hinauf ins Büro der BUND Kreisgruppe Uelzen. In einem roten Backsteingebäude in Uelzen hat es sich die Gruppe in einem kleinen Raum gemütlich gemacht. Jede freie Wand wird hier genutzt. In Regalen liegen die neuesten BUND-Broschüren, Infomaterialien und all das, was die etwa 20 Aktiven brauchen, um sich für Umwelt und Natur im Landkreis Uelzen einzusetzen.
„Umwelt- und Naturschutz sind eine Frage der Generationengerechtigkeit“, unterstreicht Klaus Himme. Am 11. April wurde er zum Vorsitzenden der Kreisgruppe Uelzen gewählt. An der ehrenamtlichen Arbeit beim BUND schätzen er und die anderen Aktiven vor allem die gesellschaftspolitische Sichtweise: „Das unterscheidet uns von anderen Naturschutzorganisationen – wir bringen nicht nur den praktischen Naturschutz voran, sondern engagieren uns auch umweltpolitisch.“
Die Kreisgruppe Uelzen besitzt eigene Flächen, um die sie sich kümmert, auf denen sie Lebensräume schafft und Arten schützt. Sie setzt sich für Fledermäuse, Ameisen, Kröten und Wildkatzen ein; veranstaltet Infostände, Mitmachaktionen und Umweltbildungsangebote. Gleichzeitig kämpft die Gruppe gegen die A39 und für naturnahe Gewässer. Sie mischt sich politisch ein, kommt mit Politik und Gesellschaft ins Gespräch.
„Der Landkreis Uelzen ist stark landwirtschaftlich geprägt“, erzählt Himme. „Deshalb sind Austausch und Zusammenarbeit – wie beim Niedersächsischen Weg auf Landesebene – hier besonders wichtig.“ Das erkannte schon Wieland Utermark, einer der Gründer der Kreisgruppe, vor 50 Jahren. Durch Dialog schuf er eine besondere Akzeptanz des BUND in der Region. Innerhalb kürzester Zeit wuchs die Kreisgruppe von 7 Gründungsmitgliedern im Jahr 1976 auf 600 Mitglieder und wurde zur damals größten Kreisgruppe des BUND Niedersachsen.
Heute zählt die Kreisgruppe Uelzen fast 400 Mitglieder. In seiner Amtszeit als Vorsitzender möchte Himme diese Zahl wieder steigern. „Ich möchte mehr priorisieren und unsere Aktivitäten stabilisieren, die Kinder- und Jugendarbeit ausbauen und verstärkt auf Kooperationen und Multiplikatoren setzen“, so Himme. Durch Veranstaltungen im öffentlichen Raum sollen Netzwerke geknüpft und mehr Sichtbarkeit geschaffen werden.
Ein neues Konzept probiert der BUND Uelzen bereits aus: Anfang des Jahres lud die Gruppe über eine Ankündigung in der Presse zum Neujahrsaustausch ein. Etwa 30 interessierte Menschen nahmen an der Veranstaltung teil – viele von ihnen (noch) kein BUND-Mitglied. Die nächste große Veranstaltung findet am 30. Mai statt. Dann feiert die Kreisgruppe Uelzen ihr 50-jähriges Bestehen. Interessierte sind herzlich eingeladen! lmk
Die Kreisgruppe Uelzen trifft sich am zweiten Dienstag im Monat zur offenen Vorstandssitzung. Interessierte BUNDMitglieder sind herzlich eingeladen!
Weitere Informationen
https://uelzen.bund.net
Zum 40-jährigen Bestehen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer haben die BUND-Einrichtungen auf Spiekeroog und Norderney ihre Ausstellungen modernisiert. Besucher*innen können dort das Weltnaturerbe neu entdecken.
Die interaktive Ausstellung im Nationalpark-Haus Wittbülten auf Spiekeroog bietet Aquarien, Inselmodell, Kino und Pottwal-Skelett. Auf Norderney zeigt das Watt Welten Besucherzentrum die multimediale Ausstellung „Das Wattenmeer: früher – heute – morgen“. Sie vermittelt die Entwicklung des UNESCO-Weltnaturerbes. In beiden Ausstellungen spielen Artenvielfalt und Klimawandel eine wesentliche Rolle.
Über 50 Teilnehmende packten bei der ersten von drei Mitmach-Aktionen zum 65-jährigen Jubiläum des BUND Niedersachsen im Ammerland an. In nur zwei Stunden entfernten sie über 1.000 Birken aus dem Hollweger Moor, um es nass zu halten.
Die Begrüßung durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden Michael Rode sowie die Ansprache von Landrätin Karin Harms zu Beginn der Veranstaltung und ein gemeinsames Mittagessen mit Einblicken in die Moorschutzarbeit des BUND Niedersachsen rundeten die Aktion ab.
Zur Kommunalwahl am 13. September 2026 hat der BUND Niedersachsen Forderungen für eine sozial-ökologische Transformation in den Kommunen erarbeitet.
Zentrale Themen sind klimafreundliche Mobilität, nachhaltige Wärmeversorgung, Landwirtschaft sowie Biotop- und Gewässerschutz. Gefordert werden unter anderem ambitionierte Klimaschutz- und Wärmepläne, der Schutz wertvoller Flächen und die Begrenzung des Flächenverbrauchs. Mitglieder können die Forderungen vor Ort nutzen, um für mehr Engagement und Wahlbeteiligung zu werben. Viele Kreisgruppen sind bereits aktiv im Kommunalwahlkampf. Interessierte können sich auf den Webseiten der Gruppen informieren oder die Forderungen des Landesverbands nutzen.
Mehr Informationen unter:
www.bund-niedersachsen.de/kommunalwahl-2026
Die Hälfte aller holzbewohnenden Käferarten ist auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Für diese Käfer ist Totholz essenziell für das Überleben. Mit dem Bau einer Käferlarvenburg – etwa auf einer Streuobstwiese oder im eigenen Garten – kann deshalb jede∗r einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten.
Der BUND Niedersachsen hat dazu eine Anleitung
erstellt. Diese finden Sie hier:
www.bund-niedersachsen.de/holzbewohnende-kaefer
Der BUND Niedersachsen ist in diesem Jahr mit einem wildbienenfreundlichen Beet auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf vertreten. Auf der begehbaren Naturbeetanlage können sich Interessierte von April bis Oktober darüber informieren, worauf es beim Wildbienenschutz ankommt. Das blütenreiche Bepflanzungskonzept präsentiert ausschließlich heimische Wildpflanzen. Infotafeln - gefördert von der Bingo-Umweltstiftung - liefern wichtige Hintergrundinformationen und Tipps zum eigenen Gärtnern. Im Mai und im Juni finden Exkursionen des BUND auf der Fläche statt.
Mehr Informationen
www.bund-niedersachsen.de/landesgartenschau-2026
BUND Landesverband Niedersachsen e.V., Goebenstraße 3a, 30161 Hannover, Tel.: (0511) 965 69 - 0, Fax: (0511) 965 69 27, bund.nds(at)bund.net, www.bund-niedersachsen.de
Lara-Marie Krauße
Tel.: (0511) 965 69 32, Redaktion(at)nds.bund.net
BUND-Jugend: Romina Ranke, info(at)bundjugend-niedersachsen.de
Die nächste Ausgabe erscheint im August 2026.
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